Atemtherapie

Atmen ist lebenswichtig. Einschränkungen und Behinderungen des natürlichen Atems sind Einschränkungen der Lebendigkeit, der Empfindungsfähigkeit, des persönlichen Ausdrucks und damit der Entfaltungsmöglichkeit des Menschen.

* Wie wir denken, so atmen wir, –
wie wir fühlen, so atmen wir, –
wir atmen, wie wir leben und wir leben wie wir atmen,
denn unser Atem ist die Verbindung zwischen Leib und Seele. Seele und Atem sind eins.

Man könnte auch sagen, dass die Seele der Göttliche Atem ist und dass dieser den Menschen, der sich ihm hingibt, reinigt, erneuert und heilt. Das Ziel in der Atemtherapie ist es, den Patienten, besser gesagt: den Schüler,
– denn der Weg ist ein Weg des Übens, – zum eigenen Atem zu hinzuführen, d.h. zu einem frei fließenden Atem, der durch keinerlei Atem-einschränkungen behindert wird.

Schmerzhafte Muskelverspannungen z.B. sind Hinweis für eine krampfhafte Haltung, der meist auch eine angespannte innere Haltung entspricht. Da mit der Atembefreiung zugleich eine seelische Befreiung möglich wird, kann da, wo vorher ängstliches Festhalten war, Frieden und Gelassenheit einkehren.

Der befreite Atem verbindet den Menschen mit seinem Wesen, der Essenz, seinem innersten Sein und fördert die Entfaltungsmöglichkeit der Persönlichkeit als Instrument der Seele. Mit anderen Worten: Die Hinwendung zum Atem fördert den Weg nach innen und bringt uns in Kontakt mit dem Menschen, der wir wahrhaftig sind, frei von den hinderlichen Prägungen der Vergangenheit.

Die Basis der Arbeit mit dem Atem liegt im Körperlichen, seinen Freuden und Grenzen, seiner Lust und seinen Schmerzen. Der Weg führt vom Sich-einlassen (auf mein jetzt so hier sein) über das Zulassen (dessen, was in mir wirkt und wachsen möchte) zum Loslassen (dessen, was mich hinderte der zu sein, der ich sein könnte).

In der Gefühlswelt des Menschen wirkt der Atem klärend, wandelnd und heilend. Darüber hinaus führt der Atem zur Bewußtseinserweiterung, da die leibliche und emotionale Klärung sich auch im Denken in Bezug auf innere Haltung und Lebenseinstellungen auswirkt.

In der Atemtherapie unterscheiden wir zwischen der Einzelbehandlung und dem Üben in der Gruppe. Beide Weisen ergänzen einander. In der Einzelbehandlung nimmt der Atemtherapeut den Patienten mit den Händen in seiner leib-seelischen Ganzheit wahr. Er bietet sowohl Halt als auch Widerstand, zeigt Möglichkeiten zur Erweiterung und lädt ein zu Vertrauen und Hingabe in der Begegnung mit einem Du.

Durch die Entspannung können unterdrückte Gefühle auftauchen und bewußt werden. Gefühle wandeln sich allein dadurch, dass man sie annimmt und falls notwendig thematisiert. Die Atemheilkunst gilt seit Alters her als der Königsweg und wurde in allen geistigen Schulen als Tor zur Innenwelt geschätzt, als Weg tiefer Selbsterfahrung und Selbsterkenntnis und als Vorbereitung für die Meditation.